KREATIVE UNTERHALTUNG


OHNE LANGEWEILE





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Fashion for living

Große Front, ich stehe davor. Schreiendes Maul, in deine Kiefer schmiege ich mich. Kaue meine Gelüste. Automatische Tür. Automatischer Gang. Ich stehe vor dir. Automatisches Ich. Bin noch draußen, noch bin ich nicht, denn „sein“, dass heißt drinnen. Ein Schritt, nur ein Stück Wille, ein Stück Wunsch nachzugeben. Ich koste. Schon bin ich umspült. Den Kopf im Kaufmeer, Hilfeschreie verhallen unter Wasser, zerbersten im Gewühl der chemisch riechenden Lautsprecher. Links die Frau mit den hohen Wangen, den Betonbrüsten, ähnlich der Puppe vor den Schaufensterblasen. Du hast keine Augen, keine Farbe.
Wenn man dir den Arm abmontiert, dann schreist du nicht. Und wenn es Winter wird, dann weinst du nicht, nicht mal wenn du ganz alleine bist, abends, in der Umkleidekabine. Man wackelt, man tauscht: dein Siegesblick bleibt. Man sagt „alt, man sagt „neu“: Dein Siegesblick bleibt. Altes weg, Neues ran: Dein Siegesblick bleibt. Ich schäme mich vor deinen idealen Brüsten. Dich soll man kaufen. Ich ziehe mir deine Haut über die Ohren, und meine Augen reiß ich raus, und deine unermüdlichen Billardkugeln setz ich mir ein. Noch ein Spiel, noch ein Gewinn. Dein Siegesblick bleibt.
So still bist du, so exklusiv still.
Du schreist vor Wasser abweisenden Stoffen, und deine Jeans sind an den richtigen Stellen abgetragen. Deshalb bist du mir so teuer.
Bitte, Hosenfee, erscheine mir vor jeder neuen Kollektion.
Unten: Mit Muster. Oben: Ohne Muster. Halbes Muster?
Viertel Muster? Falten-, Streck,- und Spreizfussmuster?
Dankeschön. Bitteschön.
Ihr saugt an meinem Willen wie an einer aufgeplatzten Tomate, deren Samen ihr nicht auf euer neues Hemd kleckern wollt. Seid nur lieb zu mir, lieb und kompetent.

Peter Uwe
Stellvertretender
Abteilungsleiter Herrensocken
auch Übergrößen

Und diese Toast- Gesichter: Ihr schlürft mein „Aber“.
Soll ich? Muss ich? Braucht man das jetzt?
Ja! Selbstverständlich. Ja!
Aber, aber, aber wenn…
Große Tüte?
Danke, danke dass ihr meine schmutzigen Gefühle kleidet.
Abkratzen kann man da sowieso nichts mehr. Dass ist alles entzündet,
ich habe das schon probiert, das blutet nur und tut doll weh. Danke.
Ah ja, verstehe, äääh, ja. Ja. Wir hätten da zum Beispiel diese extremweichen Baumwollmaterialien, Ultraflex Wabenstruktur, allergisch getestet und vor allem: Saugfähig, falls mal was daneben geht.
So schön wickelt ihr mich ein, mit meinen Wünschen. Rutschig der kalte Boden. Es ist Herbst, die Blätter treten sich zu Matsch, die Gemüter probieren, dagegen zu halten.
Vorsicht! Rabatt. Vorsicht!
Und…

…ein Hemd? Was haben sie denn so für Vorstellungen? Sie haben keine Ahnung?
Was soll das heißen, sie haben keine Ahnung? Ganz blöde oder was? Sie wissen nicht?
Na dann probieren sie doch, dass ist gratis! Wir verkaufen auch Geschmack, und die dazu nötige Entscheidungskraft gibt’s im Kombiset mit oder ohne Vertrag.
Ich weiß nicht, ich…
Genau das ist ihr Problem. Nicht denken, und wissen schon gar nicht: Kaufen.
Na hier! Steht ihnen doch prima!
Was würde dass denn…
Bei ihrer Figur, stellen sie sich mal richtig hin…
Ganz schön dick. Aber egal. Die Dinger kommen aus Indien.
Und noch dazu bei meinem Gehalt, die können nicht viel kosten.
Der Kunde bleibt König, auch in Schattenmonarchien.
Zufrieden?
Jaja.

Ich schwanke, der Rhythmus wird mir zugespuckt, vorgehüpft. Gepresste Pobacken springen Seil. Vor meinem Hinterkopf zerfletscht ein Mädchen ihren Kaugummi, gleiche Brutalität spürt man im Gespräch mit ihrer Mutter: Die Schuhe sind schuld, da kennt sie keine Familie.
Ich klopfe mich wie ein Blinder zwischen den Regalen entlang, mein lahmer Mund sucht sich die Farben, bevor er sie schmeckt, rieseln sie aus den Zahnlücken. Bildwechsel, das Lied war langweilig. Jedes Lied eine Laune. Jede Laune ein Shirt.
Wir kaufen.
Ein und aus, rein und raus…
An mir brennt die Jacke Schweiß auf die Haut, meine Schulter tropfen, Orthopäden sind teuer, lieber ein paar Handschuhe. Doch ausziehen, wohin? Unter den Arm, die dicke Jacke, dass sähe ungeschickt aus, über die Schulter, nur zu, verspiel deine Symphatien, Menschen und Geld kann man erneuern. Aber nein, dass passt nicht. Ich bin ich, dass passt nicht.
Neues Lied, HipHop, die Hose, welches Muster denn nun? Was denn? Müsste ich das routinierter machen? Schneller? Gut, also die. Nee, stopp.

Entschuldigung?
Ja?
Haben sie die auch ohne Muster?
Ohne? Wie? Ohne Muster: ohne Hose. Also keine Hose? Ja, na klar, kostet aber mehr.
Nein, also schon die Hose, aber…
Gehen sie doch mal gegenüber zu C.A., die ham bestimmt son scheiß.
Entschuldigung.
Nichts zu danken.

Gut, schaff ich auch so, welche Größe? Die Tabelle dort. Es wird dunkel.
Drinnen heller. Antiproportionale Welten, nur Geld zählt immer gleich.
Also einfach die erste. Hose ist Hose, und wenn alles teuer ist, wird schon auch
alles cool sein. Altes Indianerehrenwort.
Die Bildschirme über der Kasse: Drei. Man tanzt im Gitter. Die Frisuren: Im Gitter.
Ich bezahle, danke – lächeln – auf wieder sehen - lächeln, der Bon, mein Testament.
Der Mensch ergänzt seine Kleidung. Ich füge mich meiner Wahl hinzu. Gut umrühren.

Hoppla…
Können sie nicht aufpassen.
Entschuldigung…
KÖNNEN SIE NICHT AUFPASSEN?
Doch, doch ja, Entschuldigung, Entschuldigung.

Da am Ausgang, die Stahlbrust, beißende Hackenschuhe trippeln dem Feierabend entgegen.
Kein Fett an der Nase, und auch keins am Hintern.

Entschuldigung.
Entschuldigung.
2.8.06 20:10
 


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